Berlin

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Neuigkeiten für Neuberliner

Ausgezeichnete Restaurants in Berlin

Vorstellung des neuen Guide Michelin Deutschland gestern Abend in Potsdam. Kein Restaurant-Führer betreibt einen größeren Aufwand, keiner ist sorgfältiger und aussagekräftiger als dieser. Die deutsche Version existiert übrigens schon seit 1910.

Was gibt es Neues am Sternenhimmel für Berlin?
Drei neue 1-Stern-Restaurants: das "Cookies Cream" in der Behrenstraße 55 in Mitte, das vegetarische Restaurant von Chefkoch Stephan Hentschel, das jetzt gerade sein 10-jähriges Bestehen feiert; das "Golvet" in der Potsdamer Straße 58: gibt es erst seit 6 Monaten (!), Küchenchef Björn Swanson zelebriert dort die "neue Bodenständigkeit"; das "tulus lotrek" in der Fichtestraße 24, wo Maximilian Strohe Wert auf die Feststellung legt, dass der Namensgeber bewusst falsch geschrieben wird, damit man nicht auf die französische Cuisine festgelegt wird und dass der Name des berühmten französischen Malers überhaupt nur gewählt wurde, weil er "ein großer Fresser" war.

Neue 2-Sterne-Restaurants gibt es diesmal keine in Berlin, aber immerhin: die sieben bestehenden Träger der zweithöchsten Michelin-Auszeichnung konnten sich behaupten (FACIL, Fischers Fritz, Horváth, Lorenz Adlon Esszimmer, Reinstoff, Rutz, Tim Raue). Auf ein 3-Sterne-Restaurant in der Hauptstadt muss weiter gewartet und gehofft werden.

Guten Appetit!
Ihr
Thomas Knuth

Wohin mit den Neuberlinern?

Heute, Sonntag, 5.11. im TAGESSPIEGEL: Interview mit dem ehemaligen Senatsbaudirektor Hans Stimmann. Der weiß, wovon er redet und legt den Finger in die Wunde, sprich in die völlig verfehlte Wohnungsbaupolitik des aktuellen Berliner Senats.

Es dürfte sich herumgesprochen haben: Berlin gewinnt jedes Jahr netto ca. 40.000 Menschen hinzu (Differenz zwischen Weg- und Zuziehenden und zwischen Gestorbenen und Neugeborenen). Und es ist auch bekannt, dass es viel zu wenig bezahlbare Wohnungen in der Stadt gibt. Was tut der Senat? Weniger als nichts: Er verhindert, dass neugebaut wird. Jüngster Fall: Die Pläne des Investors Christian Gérôme, der gerne auch preiswerten Wohnraum im nördlichen Bereich des Thälmann-Parks schaffen wollte, wurden zunichte gemacht. Frau Lombscher, die Senatorin für Behinderung der Stadtentwicklung, hat sich geweigert, das Verfahren an sich zu ziehen. Sie gehört der Partei DIE LINKE an und hat im Thälmann-Park, also im ehemaligen Ost-Berlin, natürlich Wähler, die sie nicht mit Baumaßnahmen verschrecken möchte.

Im West- wie im Ostteil unserer Stadt gibt es lautschreiende Besitzstandswahrer, die wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Im Westen wohnen sie in der Nähe des früheren Tempelhofer Flughafenfeldes und haben verhindert, dass dieses riesige Areal für Wohnungsbau genutzt wird. Im Osten gibt es im Bezirk Pankow ihre Kollegen in der Elisabeth-Aue, die sich zutiefst egoistisch gegen die Bebauungspläne des Senats sperren. Wie heißt es dazu in der Koalitionsvereinbarung der rot-rot-grünen Stadtregierung: "Das Potenzialgebiet Elisabeth-Aue wird zur Bebauung in dieser Legislaturperiode nicht weiter verfolgt."

Es ist eine Schande, es ist ein Skandal, es schreit zum Himmel, was da passiert bzw. nicht passiert. So wird es nichts mit einer einigermaßen vernünftig gesteuerten Entwicklung Berlins! Die Politik muss jetzt dafür sorgen, dass private Investoren zu akzeptablen Kosten bauen können, damit die Mieten nicht noch weiter steigen. Nur so kann verhindert werden, dass die innerstädtischen Bereiche nur noch für Doppelverdiener ohne Kinder in Frage kommen. Hans Stimmann sagt, wie das konkret funktionieren kann. Ich hoffe, dass seine Stimme im Roten Rathaus gehört wird. Es ist wirklich höchste Zeit.

Der beste Stadtführer für junge Leute

Handlich, nützlich, topaktuell: "Berlin für junge Leute" (Herder Studienreisen GmbH, Berlin 2017) ist ein City Guide, der auf 288 Seiten die wichtigsten Informationen und Tipps für einen tollen Besuch der Hauptstadt versammelt. Phantastisch, wie viel man durch die Lektüre über Berlin und für einen Aufenthalt erfährt! Spannend, wie Prof. Andreas Nachama einen kompakten Überblick zur Geschichte Berlins gibt!

Besorgen sollte man sich das Teil schon vor der Klassenfahrt, denn es eignet sich hervorragend zur Vorbereitung der Expedition an die Spree. Ob Routenvorschläge für die Stadterkundung, ob Ausgeh- oder Einkaufstipps: Es ist alles drin in diesem gut gemachten Berlin-Begleiter, jede Menge angesagter Adressen und sogar ein kleiner Stadtplan und das Liniennetz des ÖPNV samt aktuellen Tarifen. Die 8,50 Euro sind wirklich nicht schlecht angelegt, viele Infos für wenig Geld.

Mit seinen vielfältigen Hinweisen ist das Buch auch eine ausgezeichnete Quelle der Information und Inspiration für Leute, die schon ein- oder mehrmals in Berlin waren. Sogar für Abstecher an den Stadtrand und nach Potsdam findet man die passenden Empfehlungen.

Das neue Berliner Ensemble!

Es ist unverkennbar, es dringt aus allen Fugen und Ritzen des alterwürdigen Theaterbaus: Am Berliner Ensemble, dem ehemaligen Theater von Helene Weigel und Bertolt Brecht, weht ein neuer Wind.
Nicht dass man die Verdienste des notorischen Quälgeistes Claus Peymann schmälern wollte oder sollte. Aber es war Zeit für einen Wechsel, für einen Wandel.
Der neue Mann, Oliver Reese, macht - Gottseidank! - keine Video-Sperenzchen und sonstigen Unfug, den man von Frank Casdorfs Pseudo-Revolutionstheater kennt. Nein, er setzt ganz auf die Qualität der Stücke und der Schauspieler.
Wir sahen "Eine Familie" und waren sehr angetan. Beeindruckend die Leistungen von Frau Kirchhoff und von Frau Becker.
Neuberliner, geht ins Theater. Es ist die schönste Art, sich seine Steuern zurückzuholen!

Viel Spaß wünscht
Thomas Knuth

Wer die Wahl hat...

Na, klar doch: Die zahlenmäßig sehr starke Fraktion der Neuberliner geht wählen am Sonntag (wenn nicht schon vorher per Brief gewählt wurde). Nicht wählen ist nämlich auch eine Wahl. Und eine sehr schlechte.

Es gibt da auch den Volksentscheid zum Flughafen Tegel. Da hat man sich zuletzt die Köpfe heiß geredet. Dabei bietet sich doch folgender Kompromiß an, drängt sich geradezu auf: Tegel offenhalten bis der BER ausreichende Kapazitäten für die vielen Fluggäste hat. In der Praxis bedeutet das: Tegel bleibt - mindestens - bis 2025, also noch acht Jahre operativ.

Für mich heißt das am Sonntag: "Tegel bleibt" wählen. Und: "AfD kommt erst gar nicht" wählen. Hoffentlich.

Ihr
Thomas Knuth

Buchtipp, speziell für Neuberliner!

Felix Escher: Die Mitte Berlins. Geschichte einer Doppelstadt, Berlin: Elsengold 2017, 176 S.,
100 Abb., 25 Karten und Pläne, 29,95 €.

Man will vielleicht doch einmal etwas genauer wissen, wie sich diese Stadt von ihren Anfängen bis in die jüngste Zeit entwickelt hat. Dafür bietet sich das neue Buch des Historikers Escher an. Er behandelt die Geschichte des Stadtkerns und vor allem dessen frappierende und nicht immer gelungene Transformation in sechs Kapiteln: Stadtentwicklung (1150 bis 1440), Residenz eines wachsenden Territoriums (1440 bis 1860), von der Groß- zur Weltstadt (1860 bis 1920), Ende des Geschäftszentrums (1920 bis 1945), Verlust der Mitte (1945 bis 1990) und die Entwicklung von 1990 bis zur Gegenwart.

Der Elsengold-Verlag macht wirklich sehr schöne Bücher, die sich durch ihre üppige, ansprechende Ausstattung auch sehr zum Verschenken eignen. Auch das vorliegende Geschichts- und Geschichten-Buch ist allein wegen der Gestaltung zu loben. Darüber hinaus liefert das Werk inhaltlich Schönes und Neues zugleich:
Escher beschreibt den raschen Aufstieg der Doppelstadt Berlin-Cölln zu einem regionalen Handelszentrum und berücksichtigt dabei die neuesten Erkenntnisse der Archäologen. Das Schloss der Hohenzollern, das man wiederaufgebaut hat, wurde im 15. Jahrhundert zentraler Sitz der Regenten und der wichtigsten Verwaltungsorgane. Im Zuge der Ausdehnung Berlins wurde der historische Kern mit seinen engen Straßen im 19. und 20. Jahrhundert weniger geschätzt. Infolge des Zweiten Weltkriegs und als Resultat der Aufbauphase
in der DDR blieb von der historischen Bausubstanz wenig übrig.

Nach dem Mauerfall entwickelte der Senatsbaudirektor Hans Stimmann mit seinem „Planwerk Innenstadt“ ein Konzept zur baulichen Verdichtung und Belebung des Stadtzentrums. Unter dem Titel „Alte Mitte – Neue Liebe“ initiierte der Senat dann erst 2015 eine Reihe von Diskussionen für die Fläche zwischen Fernsehturm und Spree, die allerdings keine umsetzbaren Ergebnisse, sondern nur allgemeine Richtlinien erbrachten. Der Autor Escher resümiert: „Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt wird über das Ergebnis der Stadtdebatte erfreut sein, hat sie doch nichts Neues zu veranlassen.“ Die Debatte um die Gestaltung der Mitte Berlins ist allerdings weiterhin offen und im Gange. Auf ihren Ausgang und die konkreten Folgen darf man gespannt sein.

Erweiterungspläne am BER

Liebe Neuberlinerin, lieber Neuberliner,

bitte lasst Euch nicht ins Bockshorn jagen und Euch auch nicht den Weg zu Eurem gesunden Menschenverstand versperren: Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft, Prof. Dr.-Ing. Engelbert Lütke Daldrup, stellte vor kurzem die Pläne zur Erweiterung des Großfluchhafens BER vor.

Ja, da sagen wir unbeirrt und mit vollem Recht: "Machen Sie doch erst einmal Ihre Bauruine flott und den Flughafen auf!" Es ist doch nicht zu fassen: Als würde man diesen Leuten überhaupt noch irgendetwas zutrauen. Mit wichtiger Silbermiene sagte Lütke Daldrup im rbb-Interview auf die Frage, wann endlich am BER die ersten Flieger landen und auch wieder starten können: "Das verrate ich Ihnen Ende des Jahres". Das daraufhin spontan einsetzende Hohngelächter hätte um ein Haar das Hauptterminal zum Einsturz gebracht.

Ich empfehle die Lektüre des SPIEGEL-Artikels über die "Geschichte eines deutschen Versagens" (Heft Nr. 34/2017). 20 Seiten (!) Desaster-Chronik. Danach glaubt man Herren vom Schlage eines Prof. Lütke Daldrup kein Wort mehr. Wie sagt da der Berliner: "Verarschen kann ick mir selba!"

Ihr Thomas Knuth

Buchtipp, speziell für Neuberliner!

Tobias Allers. Neuberliner - Migrationsgeschichte Berlins vom Mittelalter bis heute.
Berlin: Elsengold Verlag 2017, 175 Seiten, 29,95 €.

Dass Berlin vom Anfang seiner Geschichte an das Ziel von Zuzüglern aus allen Himmelsrichtungen war, dürfte kein Geheimnis mehr sein. Wer diese Neuberliner aber genau waren, was sie an die Spree gebracht hat und wie sie hier zurechtkamen, ist schon nicht mehr so bekannt. Tobias Allers, junger Historiker und Stadtführer, ist diesen Fragen nachgegangen und hat das Ergebnis seiner Recherchen jetzt vorgelegt. Sein Buch beeindruckt durch reichhaltige Bebilderung und kompakte Präsentation der Inhalte, in einer Sprache ohne Fach-Chinesisch.

Anders als heute, da die deutsche Hauptstadt vielfach ein frei gewähltes Mekka vor allem für junge Menschen geworden ist, kamen in früheren Zeit Menschen überwiegend aus Not und Zwang. Die Hugenotten wurden Ende des 17. Jahrhunderts blutig aus ihrer Heimat Frankreich vertrieben, im 18. Jahrhundert suchten protestantische Böhmen in erster Linie religiöse Freiheit in Berlin und im 19. Jahrhundert wanderten viele Brandenburger Bauern ein auf der Suche nach einem besseren Leben, trotz ihrer Befreiung von vormaliger feudaler Abhängigkeit. Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg brachten eine gewaltige Zuwanderung aus dem Osten, wiederum nicht das Resultat selbstbestimmter Wahl.

Auch die Gastarbeiter aus den südeuropäischen Ländern, die seit den 1950er Jahren ankamen, wurden von der Perspektivlosigkeit in ihrer Heimat getrieben. Alle Neuberliner haben in der Stadt ihre Spuren hinterlassen und sie nachhaltig geprägt und verändert. Wer sich diese Tatsache gerade in einer Zeit, in der die Themen Migration und Integration im Zentrum der politischen Diskussion stehen, noch einmal im Detail erzählen lassen will, wird von dem Buch sehr gut bedient.

Der Autor liest übrigens aus seinem Buch am 28. September um 17.30 Uhr in der Urania Berlin e.V. (Nähe U-Bahnhof Wittenbergplatz), Eintritt: € 8,00.

Berlin for Expats

Das Kabarett "Distel" (neben dem Admiralspalast, nicht weit vom Bahnhof Friedrichstraße) hat ein lustiges Einsteiger-Paket für englischsprachige Neuberliner geschnürt: "Berlin - extra hot and spicy". Ein Crash-Kurs in 60 Minuten zur Stadt gestern und vor allem heute.

Eignet sich auch gut für Touristen, die des Englischen mächtig sind. Man erfährt viel über den merkwürdigen Menschenschlag, der in diesem auf Sand gebauten Berlin zugange ist. Der Referent, ursprünglich aus Siegen stammend, ist der Stadt in einer Art Hassliebe verbunden, die er selbstironisch zelebriert.

Dear Expats or English speaking tourist,
go and get your 60 minutes Berlin lesson at the cabaret "Distel" (close to the train station "Friedrichstraße"). It is funny and it is true. After the show, you will know why Berlin is indeed unique and how to deal with the Berliners.

Information in English:
http://www.distel-berlin.de/de/spielplan/repertoire/berlin-extra-hot-spi...

Türken in Berlin

Auch in Berlin hat eine (wenn auch sehr knappe) Mehrheit der Türken für das Referendum, sprich: für die Verwandlung der Türkei in eine Präsidialdiktatur gestimmt. Hallo, liebe geschätzte Mitbürger aus der Türkei? Ihr lebt hier in einer Demokratie und genießt deren Vorzüge, unter vielen anderen die Meinungsfreiheit. Ihr leistet Euren Beitrag zum Gelingen und zum Prosperieren dieses Landes. Und nur rechte Idioten zweifeln an dieser Tatsache.
Aber jetzt seid Ihr ins Wahllokal gegangen und habt Eure Stimme mehrheitlich abgegeben für Recep Tayyip Erdogan, der die Todesstrafe wiedereinführen will, kritische Journalisten einsperren lässt, unabhängige Richter entlässt und sein Land den Islamisten ausliefert.
Ich verstehe Euch nicht. Beim besten Willen nicht.

Euer deutscher Freund
Thomas Knuth

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